Gebirgs-Dampf in Bulgarien

Bulgarien 20./21.10. – 29.10.2022

Die Zahl der betriebsfähigen Dampflokomotiven in Bulgarien hat sich zuletzt reduziert, und es ist nicht auszuschließen, dass Bulgarien eine Entwicklung wie Rumänien nehmen wird. Derzeit sind nur drei Lokomotiven einsatzbereit; auf der Schmalspur die Lok 60976 (Fristablauf 2023) und auf der Normalspur die einer deutschen Einheitslok sehr ähnliche 03.12 mit Fristablauf April 2023 sowie die 16.27, eine deutsche Baureihe 42, deren Revision noch bis September 2024 gültig ist. In Aufarbeitung befindet sich seit mehreren Jahren die an die preußische G7.1 angelehnte 26.26. Sie hat schon Ende 2019 erste Gehversuche unternommen. Da aber die Mannschaft, die sich noch mit der Aufarbeitung von solchen Lokomotiven auskennt, sehr klein ist, steht sie bis heute nicht für Sonderfahrten zur Verfügung. Die phänomenale 46.03, eine 1’F2’, ist derzeit ebenfalls nicht betriebsfähig, aber wir hoffen darauf, dass sie bei unserer Reise wieder angeheizt werden kann. „Баба Меца“ wird sie in Bulgarien genannt, „Großmutter Bär“.

BDZ - Dampf in Bulgarien

Auf jeden Fall ist die Zahl der einsetzbaren Fahrzeuge gering, und wenn nicht bald wieder Sonderfahrten stattfinden, dann werden wohl die Verantwortlichen in Sofia die Fristen einfach ablaufen lassen und die Möglichkeiten, Dampfsonderzüge fahren zu lassen, aufgeben. Deswegen gibt es im Oktober 2022 eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Auch die zur Verfügung stehenden Wagen sind wie üblich ein Problem, aber wir arbeiten daran. Wir wollen einen Personenzug mit sechs grünen Wagen anbieten. Drei Wagen des Zarenzuges stehen zur Verfügung, die anderen drei entnehmen wir der Serie 2047, von der die Staatsbahn nur noch sehr wenige im Bestand hat und lackieren diese um. Die Zustimmung dazu steht noch aus, aber wir haben sie bereits 2017 einmal erhalten, weswegen wir davon ausgehen, dass wir sie auch 2022 wieder erhalten werden.

Alle drei ausgewählten Strecken gehen durch das Mittelgebirge, wobei man auf der Schmalspurbahn auch schneebedeckte Berge im Hintergrund sehen dürfte.

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Reiseplan

Datum

Reiseprogramm

20.10.

Flug nach Sofia, Besichtigung der Dampflokomotiven im Depot Sofia und anschließend Weiterfahrt mit einem Charterbus zu unserem Hotel in Veliko Tarnovo.

21.10.

Besichtigung der Sammlung von abgestellten Lokomotiven in Asenovo und Kaloyanovets. Am Abend Treffen mit der anderen Gruppe in unserem Hotel in Kardzhali

21.10.

Flug nach Sofia, Fahrt zum Hotel in Kardzhali und Treffen mit der Vorausgruppe.

22.10.

Die Strecke von Dimitrovgrad nach Podkova war lange die Standardstrecke für Dampfsonderzüge in Bulgarien. Wir beschäftigen uns mit dem fotogensten Abschnitt Perperek – Momtchilgrad und der Steinbogenbrücke drei Kilometer weiter. In Momtchilgrad drehen wir am Abends die Lok wieder. Wir haben 03.12 mit einem Personenzug geplant. Hotel in Kardzhali

23.10.

Auf dem Rückweg unseres Personenzuges nach Norden beginnen wir heute in Dzebel und fahren bis Most, wo die Steigungsstrecke endet. Mit unserem Charterbus fahren wir von dort ca. drei Stunden zum Grand Hotel Heber in Pazardshik

24.10.

Am Morgen fahren wir mit unsrem Charterbus nach Septemvri (ca. 20 km), wo unser Schmalspurzug mit 60976 auf uns wartet. Wir werden das erste Streckenstück mit dem Bus zurücklegen und erst in später zusteigen. Wir fahren heute bis Tsvetino und rollen dann nach Velingrad zurück, wo sich unser Hotel befindet.

25.10.

Bei Sonnenaufgang geht es mit unserem Dampfcharterzug von Velingrad weiter. Zwischen Tsvetino und Avramovo (1.276 m über dem Meer) wird uns eine Diesellok durch die Serpentinen und den Kehrtunnel bringen. Fotografisch verpasst man hier wenig, weil die Strecke überwiegend in dichtem Wald verläuft. Danach geht es bergab weiter mit der Dampflokomotive. Bansko erreichen wir gegen 17 Uhr. Hier wird unsere Lok gedreht.

26.10.

Bei Sonnenaufgang wird unser Zug Schornstein voran in Dobrinishte abfahren. Wir fahren die gesamte Steigungsstrecke bis nach Avramovo mit der Lok Schornstein voran. Am Abend verlegen wir dann mit unserem Charterbus nach Pernik.

27.10.

Nach einer kurzen Nacht fahren wir mit unserem Charterbus von Pernik nach Radomir, wo wir entweder die 16.27 oder eine der beeindruckendsten Dampflokomotiven Bulgariens begegnen wird: die 1’F2’ 46.03. Mit einem Güterzug fahren wir nach Kjustendil. Hinter Zemen ist die Strecke sehr sehenswert, allerdings durch den dichten Zugverkehr nur an ausgesuchten Stellen zu fotografieren. Hotel in Kjustendil

28.10.

Am frühen Morgen geht es weiter von Kjustendil nach Gjueshevo. Wir werden in den S-Kurven hinter Kjustendil den Sonnenaufgang fotografisch umsetzen und hoffen, dass das Wetter mitspielt. Danach ist die Strecke überwiegend völlig zugewachsen und erst vor Gjushevo, das wir am Nachmittag erreichen wollen, gibt es wieder eine Reihe von offenen Stellen.

Mit unserem Charterbus fahren wir zu einem Hotel in Sofia.

29.10.

Rückflug von Sofia

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Streckenbeschreibungen

Fast überall besteht das Problem, dass Strecken massiv verbuscht sind, eine Handsäge zur Bereinigung der Fotostellen gehört daher zur Grundausstattung.

Dimitrovgrad – Podkova

Diese Strecke ist für Sonderzugfahrten prädestiniert, weswegen sie bei früheren veranstaltungen auch immer gerne befahren wurde. Einerseits führt sie durch eine schöne Landschaft, andererseits ist der planmäßige Zugverkehr auf ihr recht dünn, so dass man für einen Sonderzug genügend Zeit hat. Zwei Steinbogen-Viadukte und die Gegend um den Stausee sind die herausragenden Motive der Strecke. Wir werden nicht nur dicht an der Strecke stehen, sondern haben auch eine Übersichtsaufnahme geplant, die ein wenig bergauf wandern erfordert. Aber der Ausblick ist fantastisch und lohnt die Mühe. Um die Zeit bei den besten Fotomotiven besser nutzen zu können, befahren wir nur das fotogenste Teilstück der Strecke.

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Auf dieser Strecke wollen wir mit der großen 2’D1’ der Reihe 03 einen Personenzug fahren. Alte Wagen sind in Bulgarien Mangelware, weswegen wir drei Wagen aus der Serie 2047 aus den 1970er Jahren wieder umlackieren werden. Dazu sind noch drei Wagen aus dem Zarenzug betriebsfähig, womit unser Zug aus sechs Wagen bestehen wird. Die Verwendung der noch grün lackierten Wagen aus dem ehemaligen Regierungszug haben wir nicht ins Auge gefasst, weil diese Wagen Sonderbauarten sind und zu modern aussehen.

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Rhodopenbahn

Südosteuropa hatte einst ausgedehnte Schmalspurnetze in der Spurweite von 760 mm. Fast alles davon ist Geschichte, bis auf die Schmalspurbahn von Septemvri nach Dobrinishte (Dobrinischte), wo man noch heute so etwas wie eine Fernreise auf bosnischer Spur erleben kann. Die Rhodopenbahn wurde erst zwischen 1921 und 1945 erbaut und wird von der Staatsbahn BDŽ betrieben. Auf den 125 km befinden sich 38 Tunnel, Kehrschleifen und Steigungen von bis zu 33 Promille, um einen Höhenunterschied von über 1.000 Metern zu überwinden. Auf der Basis der sächsischen VIIK entwickelte die BMAG (vormals Schwartzkopff) eine verstärkte Version mit verlängertem Achsstand für die Rhodopenbahn. Fünf der bestellten 15 Maschinen wurden 1941 an die BDŽ geliefert, die sie auf ihren Strecken Septemvri – Dobroniste und Varvara – Pazardjik einsetzte. Weitere Lieferungen verhinderte der Krieg und so war es Fablok in Chrzanów (Krenau) in Polen, die 1949 und 1950 die benötigten restlichen Lokomotiven lieferten. Eine davon, 60976, ist betriebsfähig und wird unseren Sonderzug bespannen.

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Die Bahn bietet zahlreiche schöne Fotomotive und Formsignale. Die oft parallel führende Straße wurde aber in einigen Teilen saniert und mit Leitplanken versehen, womit einige Fotomotive nicht mehr interessant sind. Der Anstieg zum höchstgelegenen Bahnhof der Staatssbahn, Avramovo mit 1267 m über dem Meer, wird mit mehreren Kehrschleifen bewältigt. Hier werden wir mit Dieselvorspann fahren müssen, da die Strecke aber in diesem Abschnitt ohnehin durch dichten Wald führt, entgehen uns keine Fotomotive.

Auf der Strecke stehen heute 1.300 PS starke Dieselloks vor den wenigen Personenzügen im Einsatz und es wundert den Beobachter, dass die BDŽ noch immer an dieser Strecke festhält.

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Radomir – Kjustendil – Gjueshevo

Von Radomir bis Zemen gibt es nicht viel zu fotografieren, aber dann biegt die Bahn in eine sehenswerte Schlucht ein. Leider ist hier das Vegetationsproblem nicht zu unterschätzen. Zudem kommt, dass viele der sehr guten Fotostellen relativ eng sind, und sich unsere Gruppe dann gut arrangieren muss. Hinter Kjustendil steigt die Strecke dann in einigen S-Kurven bergan. Hier wollen wir den Sonnenaufgang fotografieren. Dann geht es ins unfotografierbare Dickicht, das erst einige Kilometer vor Gjueshevo (Gjueschewo) wieder verlassen wird. Dort ergeben sich dann erneut einige schöne Fotomöglichkeiten.

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Wir setzen auf dieser Strecke, nicht weit von ihrem früheren Haupteinsatzgebiet Sofia – Pernik entweder die sicher betriebsfähige 16 (= DR-Baureihe 42) oder die wunderbare 46.03 ein. Es handelt sich bei der 46 um eine sehr erfolgreiche 1’F2’ h2t von Cegielski in Poznan (203/1936). 12 Maschinen dieser Serie wurden als Zweizylinderloks von Cegielski gebaut, weitere acht als Dreizylinderlokomotiven von der BMAG (Schwartzkopff; 46.13 - 20 Fabrik-Nr. 11794 bis 11801). Diese Tausendfüßler waren höchst eindrucksvolle Maschinen. Wir haben 12 Güterwagen angefragt. Leider ist die Auswahl nicht gerade berauschend, aber wir haben auch die Aufarbeitung von zweiachsigen Wagen angefragt. Darüber gibt es jedoch noch kein Angebot.

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Anmerkungen

Die Bulgarischen Staatsbahnen sind ein schwieriger Verhandlungspartner für Sonderzüge derart, wie wir sie haben wollen. Solche Sonderzüge will man dort eher nicht, weil bei den ständigen Umstrukturierungen Fehler zu machen den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten könnte. Nur dem, der nichts macht, unterlaufen auch keine Fehler. Die Zuständigkeiten wechseln sowieso im Wahlrhythmus: warum sich mit etwas befassen, für das man in absehbarer Zeit nicht mehr zuständig ist? Nach der letzten Wahl werden die meisten wichtigen Posten neu besetzt. Die Verhandlungen begannen bereits 2021 mit der alten Riege an Führungskräften. Wir hoffen, dass die bisher gefundenen Kompromisse über den Wechsel der Personen in der Hauptverwaltung hinaus Bestand haben.

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Die Bahnstrecken in Bulgarien sind oft mit Büschen und Gestrüpp zugewachsen, manche mögliche Fotopositionen fallen damit aus. An anderen Stellen ist es sehr schwierig, eine größere Gruppe zu positionieren. Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn man eine Klappsäge zur Hand hat, um das, was die Bahnmeisterei versäumt hat, nachzuholen. Wir reisen nach der Vegetationsphase, es wird so einiges Gestrüpp zu beseitigen sein.

Zum Zeitpunkt unserer Reise hat die Staatsbahn größere Baustellen auf der Hauptbahn geplant, die auch Auswirkungen auf die Nebenbahnen haben können. Verspätungen können immer und unerwartet auftreten.

Die Dampfloks müssen in regelmäßigen Abschnitten mit Wasser versorgt werden. Dies stellt für die Staatsbahn eine logistische Herausforderung dar. Unser Partner in Bulgarien wird die Wasserversorgung der Loks daher in Eigenregie organisieren. Ein Smartphone kann jeder bedienen, aber einen Eimer Wasser irgendwo reinzuschütten, überfordert heutzutage viele Zeitgenossen.

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Bulgarien ist ein Land der EU und des Schengen-Raumes, zur Einreise reicht für EU-Bürger also der Personalausweis. Das Land ist sicher, die gewöhnlichen Regeln sollte man trotzdem nicht außer Acht lassen.

In Bulgarien bedeutet übrigens ein Kopfschütteln „ja“, während ein Kopfnicken mit „nein“ zu interpretieren ist.

Mahlzeiten werden verschiedentlich nur aus abgepacktem Essen bestehen, weil wir die uns zur Verfügung stehende Zeit gut ausnutzen wollen. Feste Essenszeiten sind nicht vorgesehen und unter bestimmten Umständen kann es sogar zum Ausfall einer Mahlzeit kommen.

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Bulgarien verlangt den Nachweis einer vom Land anerkannten Auslandskrankenversicherung. Wie die Coronaschutzregeln im Herbst 2022 aussehen werden, kann hingegen derzeit noch niemals sagen. Auf jeden Fall kann man nur vollständig geimpft an dieser Reise teilnehmen. Der organisatorische Aufwand, um als nicht geimpfte Person an einer solchen Reise teilnehmen zu wollen, ist nicht zu stemmen. Die Regeln ändern sich ohnehin schon schnell genug.

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Die drei Lokomotiven, die wir auf unserer Fahrt einsetzen wollen, sind allesamt Einzelstücke. Es gibt im Falle eines Schadens keinen Ersatz. Auf der Schmalspurbahn muss bei einem Lokschaden das Programm ausfallen, auf den Normalspurstrecken können wir eine schadhafte Lok wahrscheinlich ersetzen. Sollte die Reise aus irgendwelchen Gründen (auch kurzfristig) abgesagt werden müssen, können lediglich alle eingezahlten Gelder zurückgezahlt werden, weitergehende Ansprüche entstehen jedoch nicht. Programmänderungen sind jederzeit möglich. Die Einsatzfähigkeit der 46 kann nicht garantiert werden. Wir planen vorsichtig, also mit der 16, und freuen uns dann, wenn es doch die 46 wird.

Wir werden keinen grünen Wasserwagen direkt hinter der Lok mitführen. Die Wasserversorgung wird durch einen extra Zug bzw. durch externe Quellen sichergestellt, damit unser Fotozug nicht auf den ersten Blick nach Sonderzug aussieht.

Wir übernachten überwiegend in Mittelklassehotels, die durchaus aber Probleme damit haben können, westlichen Mittelklassestandard zu bieten. Bitte beachten Sie, dass die Hotels, Busse, Züge, eigentlich alles, was uns begegnen wird, keinesfalls westeuropäischen Standards entsprechen müssen. Deshalb reisen wir ja gerade dorthin. Wir werden in ein Land reisen, in dem Umwelt- und Unfallschutz noch nicht voll entwickelt sind. Es sei ausdrücklich auf die Gefahren hingewiesen, die durch die Benutzung und den Aufenthalt in der Nähe der Eisenbahnen entstehen können. Der Abschluss einer Auslands-Unfallversicherung wird empfohlen. Weder FarRail Tours noch der Veranstalter vor Ort oder die Eisenbahn haften bei Unfällen jeglicher Art, Schäden, Verlusten, Nachteilen aus Verspätungen, Programmänderungen, Absagen etc.

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Preis

Bulgarien
Gebirgs-Dampf in Bulgarien 35 bis 50 Teilnehmer 3.670 Euro
21.10.2022 – 29.10.2022 Einzelzimmerzuschlag 360 Euro
Anmeldeschluss: 01.06.2022
Depot Sofia und versteckte Schätze 15 bis 50 Teilnehmer 270 Euro
20.10.2022 – 21.10.2022 Einzelzimmerzuschlag 45 Euro
Anmeldeschluss: 30.06.2022

Der Preis umfasst:

Nicht enthalten sind:

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Die Aufnahmen stammen von der FarRail Tours Reise im März 2017

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